Ostseeman

Mein Erlebnis mit dem Ostseeman 2011


Nachdem ich 2010 in einer Staffel die 180 Kilometer beim Ostseeman fahren durfte, stand der Entschluß fest (einer von vielen): hier mach´ ich im nächsten Jahr mit.

Also starte ich Anfang August mit noch weiteren neun Vereinskollegen und- kolleginnen in Glücksburg und werde alles Wissenswerte und Überflüssige auf dieser Seite aufschreiben........wenn ich denn erstmal rauskriege wie man diese verda...... Bilder hochgeladen bekommt.

Ollie Stief und ich. Ollie hat mich auf langen Strecken motiviert ....und mir    im Training mehrfach in den Hintern getreten. Letztes Jahr legte er in Glücksburg ´ne 9:50 aufs Parkett. Respekt ! 1988 kam ich in Roth nach 10:36 Stunden ins Ziel. Diese Zeit gilt es beim Ostseeman zu knacken...mindestens.

und übrigens: das mit dem Bilder hochladen scheint zu klappen.

 

Nein, nicht die Drei von der Tankstelle. Das Team von meiner letztjährigen Ostseeman-Staffel. In diesem Jahr soll es solo klappen.

 


Mit dem Finish beim Seepark - Triathlon in Bad Bodenteich vergangenes  Wochenende ist die letzte Vorbereitungsphase für den Ostseeman in Glücksburg eingeläutet. Noch knappe 6 Wochen bis zum Startschuß. Eigentlich kann ich zufrieden sein.....eigentlich. Aber immer wieder werden Zweifel laut. Reicht es ? Warum lief es auf dem Rad in Bad Bodenteich nicht so gut ? Muß ich doch noch anders trainieren ?  Blödsinn !  Alles Blödsinn. Es ist getan, was getan werden mußte und konnte. Jetzt noch 3 Wochen ordentlich Umfänge und dann beginnt die Taperphase. Den ein oder anderen 10 km - Lauf aus dem Training heraus, vielleicht noch der Cityman in Hamburg...aber alles nur um ein wenig Farbe in den Trainingsalltag zu bekommen. Ich hatte ja insgeheim mit einer Zeit knapp unter 10 Stunden geliebäugelt, da in Glücksburg. Aber das mit dem Liebäugeln laß´ ich mal lieber.Zu viel Stress, hausgemachter Druck, der nur für Enttäuschung sorgen kann. Neben der körperlichen Herausforderung wird genau diese mentale Haltung wichtig sein. Nicht umsonst heißt es "mind over body".


Ich habe drei Wochen Urlaub. Und was macht man(n) dann? Dumme Frage. Der Ostseeman ist keine 5 Wochen mehr entfernt. Also Trainingslager zuhause. Umfänge, gespickt mit qualitativen Leckerlis. Und die letzten 2 Wochen vorm Event das Ganze wieder runterfahren.

Montag:

Schwimmen: Einschwimmen, danach 5 x 400 m  auf 8 min. Alle 6min. 50 sek. bin ich wieder am Beckenrand. Anschließend 5 mal 100 m etwas schneller als Ironman-Tempo. Ich trainiere nicht im Neoprenanzug. Viele andere tun das. Aber ich glaube, man nimmt sich dadurch einen ganzen Haufen Effektivität, ausserdem ist das Wasser im Freibad warm genug. Nach 2800 m und einer Stunde gehe ich nach Hause.

Laufen: langer Lauf im annähernden Ironman Wettkampftempo. Es werden 22 Kilometer in 1:53 Stunden. Schnitt: 5:10 min. Der Nord-Ostsee Kanal hier vor meiner Tür erweist sich als optimales Trainingsrevier. Raus nach Breiholz und zurück.....und fertig.

Abends noch 15 min. am Pezziball zur Unterstützung der hinteren Oberschenkelmuskulatur.

 

Der Cityman in Hamburg über die olympische Distanz ist eine tolle Veranstaltung und perfekt als Vorbereitungswettkampf, da man nur gegen sich selbst und gegen die Uhr schwimmt, fährt und läuft. Völlig anonym bei mehreren tausend Teilnehmern. Ich werde spontan entscheiden, ob ich dieses Jahr mitmache.

Dienstag:

Radfahren: 45 Minuten Einfahren, 7 mal 6 Minuten HIT (hochintensive Intervallleinheiten) über Wettkampfniveau, dazwischen 6 Minuten locker und zum Schluß 1 Stunde Ausfahren. Nach knapp über 3 Stunden, 95 Kilometern und einem Schnitt von 31,2 km/h bin ich wieder zuhause. Platt ! Jede Phase meines Körpers schreit nach Erholung. Mit eiweißreicher Kost (Chia undJoghurt) will ich den geschundenen Muskelzellen wieder auf die Sprünge helfen. Viel trinken und ´ne halbe Stunde aufs Bett.  Ich lege meine Magnetfeldtherapiematte vorher auf die Matratze. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht, nicht nur aus sportlich regenerativer Sicht. Auch der Schlaf nachts ist viel besser geworden.

Gegen Abend baue ich noch etwas Stabilitätstraining ein. Rücken, Bauch und wieder die Harmstrings (Oberschenkel hinten). Und das reicht dann auch für heute.

 

Mein Stevens "Volt" - der Nachteil bei so einem Renner: es gibt keine Entschuldigungen mehr, keine Ausflüchte. Zusammen mit den Grammo Carbon Laufrädern in Schlauchreifen-Version möchte ich meine Zielzeit unter 10:36 Stunden in Glücksburg verwirklichen. Und dafür sollte ich mich nicht länger als 5:20 Stunden auf der Radstrecke aufhalten.

 

Mittwoch:

Die ersten Schwimmzüge eröffnen mir eindeutig: heute nicht so doll bitte.Schlapp, müde.....die beiden vorherigen Tage stecken noch in den Knochen. O.K., also ein bißchen verhalten das Ganze.

Schwimmen: 5 mal 500 m ... wegen der mometanen Schwäche etwas weiter weg vom Wettkampftempo.

Laufen: geplant sind 3 mal 3000 m in 13 Min., also im 4:20er Schnitt. 1000 Meter Einlaufen und nach dem 1ten 3000er in 12:54 min. abermals die Ansage meines Innersten: nu´ laß  mal gut sein für heute. Der zweite 3000er bestätigt dies. Dicke Beine und eine Zeit von über 13 Minuten. Den letzten 3000er Block spar ich mir und jogge insgesamt 13 Kilometer.

Radfahren: locker 20 Kilometer in 45 Minuten.

 

....sooo müde.

 Donnerstag:

Traumhaftes Wetter gleich zu Beginn des Tages. Rauf aufs Rad und eine schöne Tour durch die Hüttener Berge. Moderat heute, ganz moderat.  Es werden wieder 3 Stunden und 84 Kilometer.

Später noch ein Zehner im 5:24 Schnitt. Fühlt sich wieder rund an. Ja, ja die Kunst der Dosierung.

 

Freitag:

Draussen stürmt es, Regen prasselt aufs Carport. Am Geräuschpegel erkenne ich die Heftigkeit des Schauers. In einem trockenen Moment schwinge ich mich aufs Rad Richtung Freibad. Ich arbeite eine Pyramide ab und kann mir später dann 2700 m ins Trainingsbuch schreiben.

Laufen plane ich heute einen 12er unter 5 min pro Kilometer. Mein Freund Ollie stößt dazu...was fatale Folgen mit sich bringt. Nach kurzem Geplänkel über düt und dat geht´s zur Sache. Das GPS System zeigt schon mal 4:30 bis 4:20 an. Gesprochen wird kaum noch. Nach dem Wendepunkt zeigt das Messgerät am Arm 3:50 bis 4:05 pro Kilometer an. Jeder gibt dem anderen die Schuld an dem Tempo...wie immer. Wie ein altes Ehepaar. Auf den letzten Metern verabreden wir uns für den nächsten Tag zum Radfahren: 7:30 Uhr.  Ich weiß jetzt schon dass das kein Spaß wird......ich soll Recht behalten.

Samstag:

Pünktlich treffen wir uns am Kanal: der Ollie, die beiden "Raelert Brothers" aus Nübbel / Fockbek, die im echten Leben Michael und Stephan heißen und ich...noch völlig verschlafen. Auf geht´s Richtung Westen. Auf dem Tacho 38 Stundenkilometer ! Ich hätte es ja wissen müssen.

Das geht ´ne ganze Weile so.Nun gut. Am Ende sind es 100 Kilometer in etwas über 3 Stunden und Milchsäure in den Oberschenkeln.  Und ob es eine Art  von Selbstverachtung ist, verabrede ich mich für morgen um 7 Uhr abermals mit Ollie.

 

Es ist schon wieder ein Jahr her. Ollie nach seiner super Leistung von 9:50 Stunden. Michael Pahl wird sich dieses Jahr ebenfalls der Herausforderung Ostseeman stellen. Insgesamt werden mehr als 10 Einzelstarter und mindestens zwei Staffeln von der SG Athletico - Büdelsdorf in Glücksburg dabei sein.

Sonntag:

Sonne, wenig Wind und keine Autos auf den Strassen. Perfekt. Zu dritt heizen wir durch den Naturpark Hüttener Berge. Natürlich viel zu schnell. Eine Kaffeepause am Kanal (Sehestedt) versüßt uns den frühen Vormittag. Anstrengend ist es wieder in Gang zu kommen nach so einem break. Andreas teilt mir seine Kampfansage für Glücksburg mit. Spätestens in der letzten Laufrunde will er mich überholen, da er unter 10:30 Stunden bleiben will.Das ist o.k. Jeder darf mich überholen, solange ich am Ende mit meiner Leistung zufrieden sein kann.

Am Ende der Radausfahrt knapp über Hundert Kilometer.Das Schwimmen am Abend laß ich ausfallen. Beine hochlegen ist angesagt. Die Woche war nicht "ohne": 21:35 Stunden, 60 km Laufen, 402 km auf dem Rad und 8 km im Wasser. Dazu ein bißchen Athletiktraining. Nächste Woche plane ích noch eine kleine Steigerung. Und dann geht es von der Belastung wieder runter,,,bis zum Startschuß an der Förde in Glücksburg.

 


 

"Kinders, was die Zeit vergeht...", hat meine Oma früher immer gesagt. "Ein typischer Spruch alter Leute..", waren meine Gedanken dazu. Heute morgen allerdings lag mir genau dieser greise Spruch auf den Lippen. Denn nächstes Wochenende ist das "Ostseeman" - Wochenende. Ein Jahr vorbei. Die ganzen Monate und Wochen des Trainings liegen weit hinter mir. Die Trainingseinheiten im winterlichen Schnee, die schweißtreibenden Exzesse auf dem Rollentrainer, Schwimmtrainingslager in Glücksburg, Radfahren auf Mallorca, alles für diesen einen  Sonntag nächstes Wochenende. Kinders, was die Zeit doch vergeht.

In den vergangenen Tagen habe ich nur sehr reduziert trainiert. Wenig Umfänge, aber dafür mehr Intensität. In jeder Einheit ein kleiner Kick, damit die Spannung bleibt und an diesem einen Sonntag mit vollem Potential zur Geltung kommt.

Ach so.....und noch was: die Wetterprognose sieht gut aus. Leicht bewölkt, aber trocken, kaum Wind.

Bei meinem letzten Ironman Wettkampf: Hawaii 2009, die Palani Road rauf, etwa nach 15 km. Ein irrer Blick, mir ging´s zu dem Zeitpunkt nicht besonders gut. Nach über 12 Stunden war ich im Ziel. Nächstes Wochenende in Glücksburg will ich schneller im Ziel sein. Gerne mal so 2 Stunden...aua!

 

 


 

Montag:

Das letzte Wochenende steckt noch in den Knochen. Aber auch in der Birne. Zur körperlichen Erschöpfung kommt nun auch die mentale Müdigkeit. Besonders wenn solch´ verregneten Tage wie am Wochenende zusätzlicher Motivation bedürfen, sind schnell sämtliche Körner verbraucht.  Den ganzen Tag über schleppe ich mich ziellos von einer Ecke zur nächsten. Lege mich nochmal ins Bett, Magnetmatte auf Hochtouren und schaffe dann gegen Nachmittag einen langen Lauf. 23 Kilometer in 2:04 im 5:24 er Schnitt. Die zweite Hälfte in 5:15. Die Lust kommt beim Laufen, die Durststrecke scheint fürs Erste überwunden.

Dienstag:

Morgens aufs Rad und die Beine vom Wochenende und dem gestrigen Lauf etwas locker fahren. Nach 50 km komme ich wieder nach Hause, frühstücke Obst und Joghurt und verfeinere das Ganze mit Chia Saat. Gegen Mittag dann Schwimmen auf der original Strecke des Ostseemans´ in Glücksburg. Die Bojen erscheinen mir nicht ganz eindeutig, ist aber egal, will ja nur mal testen wie´s  so geht. Und es geht nicht gut: arschkalt (verzeihung), die Muskulatur verweigert sich und macht die ersten Kraulbewegungen zur echten Herausforderung. Ich schwimme rechts raus zur ersten Begrenzungsboje, den Wind und die Wellen hinter mir. Nach ´ner Weile geht´s denn auch. Aber dann....was ist das? Irgendwas berührt meine Beine, meine Hände greifen etwas Fremdartiges. Na klar, denke ich, und sehe nun auch was mir da in die Quere kommt: Quallen. DIE hatte ich ja gar nicht auf der Reihe. Hinter der ersten Boje wechsel ich die Richtung und paddel nun gegen den Wind und gegen die Wellen. Ich muß meinen Kopf leicht überdrehen, um nicht ständig Wasser zu schlucken. Bis zur nächsten Boje ist´s  ein langes Stück, und dann nochmal 500 meter zurück. Gut dass ich hier noch mal geschwommen bin. Lieber jetzt Ernüchterung als am Wettkampftag.

Kurz vorm Testschwimmen am Originalschauplatz in Glücksburg. Eiskaltes Wasser, Quallen und Wellengang. Bin offensichtlich etwas weich geworden vom ständigen Schwimmtraining im Freibad bei angenehmen 25 Grad und null Wellengang. Gut, dass ich mir das "echte Leben" vorher nochmal angeschaut habe.

Mittwoch:

 

Sonne ! Ein gutes Zeichen. Und auch die Lust aufs Training ist da. Also...worauf warte ich noch? Ich fahre 100 km in 3:20 Stunden und baue 5 mal 5 Minuten HIT-Einheiten ein (hoch intensiv). Ein gutes Gefühl. Nachmittags meldet Ollie sich und wir verabreden uns zu einem lockeren Läufchen. Es bleibt tatsächlich locker, 10 km im 5:40er Schnitt. Wir quatschen über dies und über das, und oh Wunder, auch mal nicht über Training, Triathlon und Wettkampf. Erholsam. Wir sind wohl beide an einem Punkt angelangt: es reicht. Es kann losgehen. Alles ist getan, alles ist gesagt.

Gegen Abend 1500m im Freibad. Dort treffe ich Andreas und Lars. Am Wochenende planen wir die letzte lange Einheit. Andreas teilt mir nochmal süffisant lächelnd  mit, dass er mir auf den letzten 100 Metern des Ostseeman auf den Hintern klatschen will und mit mir gemeinsam über die Ziellinie laufen möchte. Ich sage ihm, dass dies nicht ginge, da er ja dann noch ´ne Runde zu laufen hätte. Pubertierende Jungs mit ihren Holzschwertern rasselnd. Nervosität ?

Später hole ich mir zwecks Motivationsspritze die neue Ausgabe des  Triathlonmagazins. Wow, dieser Andreas Raelert ist mein sportliches Idol, ich gebe es zu. Auf seiner Facebook Seite findet man übrigens tolle Bilder von ihm während seines Einsatzes in Roth. Habe K.B. schon welche geschickt. Sie verzehrt sich geradezu nach ihm. Schluchz.

Eines der Fotos von der Raelert Facebook Seite. Am Wochenende startet sein Bruder Michael beim Ironman in Frankfurt. Ich werde dabei sein...per Live-Stream am Laptop.

 

Donnerstag:

Laufen: 15 km , mit 10 mal 200 m flott im Wettkampftempo. 200m Traben und zum Schluß 1000m im Schwellenbereich.

Radfahren: 42 Kilometer, 3 mal 10 Minuten Druck auf die Pedale. Am Ende knapp über 32er Schnitt.

Grundsätzlich will ich die Umfänge reduzieren, die Intensitäten allerdings aufrecht erhalten.

 

Freitag:

Um keine schlechte Laune zu kriegen, hier ganz kurz: mit Lars und Andreas dreieinhalb Stunden unterwegs. Regen und Sturm...von Anfang an.

Später noch 7 Kilometer flott...auch im Regen.

 

Sonnabend:

Regen, Regen,Regen und Sturm. Die Radschuhe sind noch nass, Ich schwimme etwas über 2000m im Bistensee.

Gegen Abend mit Ollie auf der Laufstrecke, locker und gut gelaunt.

 

Sonntag:

Zweieinhalb Stunden auf dem Rad und abends 10 mal 200m im Freibad.